Bis in die siebziger Jahre hatte praktisch jede Kommune ihre eigene Müllkippe. Die Abfallentsorgung war ungeordnet und - wie wir seit einigen Jahren wissen - umweltgefährdend.

1968 kaufte der Main-Taunus-Kreis im Gebiet zwischen Wicker, Hochheim und Massenheim eine große Fläche ausgebeuteter Kiesgruben, aus denen Baumaterial für den Boom der sechziger Jahre gefördert worden war. Geologische Untersuchungen des rund 85 Hektar großen Geländes hatten ergeben, dass sich im Untergrund eine wasserundurchlässige Tonschicht befindet. Die Fläche schien demnach für die Müllablagerung geeignet.

Man teilte das Areal zur Bewirtschaftung in verschiedene Flächen auf, die im Laufe von etwa 30 Jahren mit rund elf Millionen Kubikmetern Hausmüll oder hausmüllähnlichen Abfällen verfüllt wurden. Die Deponie Flörsheim-Wicker war - insbesondere in den achtziger Jahren - eine der wichtigsten Entsorgungsanlagen im Rhein-Main-Gebiet. Mitte der neunziger Jahre führte ein verändertes Umweltbewusstsein dazu, dass immer weniger Restmüll angeliefert wurde. Die Grundsätze, Abfall zu vermeiden, Abfall wieder zu verwerten und nur den unvermeidlichen Restmüll auf Deponien zu verbringen, hatten Erfolg. Außerdem fand man in der Verbrennung von Restmüll immer mehr Vorteile gegenüber der Ablagerung auf wertvollem Boden.

Seit Anfang Juni 2005 wird auf der Deponie Wicker im Rahmen der Umsetzung der TASi (Technische Anleitung zur Verwertung, Behandlung und sonstigen Entsorgung von Siedlungsabfällen) kein unbehandelter Abfall mehr abgelagert. Dies bedeutet, dass unter anderem kein Hausmüll und keine hausmüllähnlichen Gewerbeabfälle mehr deponiert werden dürfen, sondern nur noch mineralische Abfälle.

Deponie-Nachsorge als Thema der Zukunft

Weitere hydrogeologische Untersuchungen in den neunziger Jahren hatten gezeigt, dass der Untergrund der Deponie in Teilbereichen durchlässiger ist als ursprünglich angenommen. Somit kam der Sicherung und Sanierung der Deponie höchste Priorität zu. Die Deponie vor eindringendem Niederschlagswasser zu schützen und den Grundwasserzutritt sowie den Sickerwasseraustritt zu verhindern, sind deshalb die vordringlichen Aufgaben, die mit dem Bau von Abdichtungswänden und Oberflächenabdichtungen bereits zu einem großen Teil umgesetzt wurden. Die Anlagen zur Reinigung von Grund- und Sickerwasser, zur Deponiegasfassung und -nutzung, ergänzen die bautechnischen Sicherungsmaßnahmen.

Noch in den siebziger Jahren glaubte man, die Deponie eines Tages schließen und dann einen lauschigen Grillplatz darauf errichten zu können. Inzwischen wissen wir, dass die chemischen und biologischen Abbauprozesse der eingelagerten Abfälle über viele Jahrzehnte andauern. In dieser Nachsorgephase, die nach den jetzigen Genehmigungen bis zum Jahr 2047 dauern wird, müssen Einrichtungen wie Anlagen zur Sickerwasserreinigung und Deponiegasverwertung weiter betrieben werden. 

Die RMD hat frühzeitig ein Konzept zur Sanierung und Endverfüllung der Deponie ausgearbeitet, das den Weg in eine umweltverträgliche Nachsorgephase aufzeigt. Um den Standort Flörsheim-Wicker auch in wirtschaftlicher Hinsicht zu sichern, hat die RMD zusammen mit ihrer Tochtergesellschaft MTR in den vergangenen Jahren mehrere Recyclinganlagen errichtet, die in Kooperation mit verschiedenen privaten Partnerunternehmen betrieben werden. Neben Anlagen zur Sortierung von Wertstoffen, zur Aufbereitung von Altholz, Bauschutt und Schlacke, sowie zur Bodenreinigung und Immobilisierung wurden im Bereich der Energieerzeugung ein Deponiegaskraftwerk, ein Biomassekraftwerk zur energetischen Verwertung von Altholz sowie drei Photovoltaikanlagen errichtet. In Ergänzung zu den genannten Anlagen ist 2008 die Inbetriebnahme eines Biogaskraftwerkes auf dem Deponiegelände vorgesehen.

Unternehmerisches und umweltpolitisches Ziel ist es, die vorhandene Infrastruktur der Deponie für die verschiedenen Anlagen mitzunutzen, aufbereitete Abfälle bei Baumaßnahmen einzusetzen und stoffliche Reste aus den Aufbereitungsprozessen auf der Deponie im Rahmen der Endverfüllung zu verwerten.

Die ökologische und wirtschaftliche Sicherung des Deponiestandortes Flörsheim-Wicker mit seinen verschiedenen Abfallverwertungsanlagen im Rhein-Main-Deponiepark ist damit eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben der Rhein-Main Deponie GmbH.

 

Der Deponiestandort Flörsheim-Wicker im Detail:

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